Take Action!


Stay informed!

What's New in INES

Latest news about INES related subjects from all over the world.

» Sign up for the INES Email bulletin


Global Responsibility Newsletter

The INES Global Responsibility Newsletter reports and comments  –  from a global perspective – on political, technical and societal developments and comprises of regular internal news sections.
» Subscribe


Join INES

» Become a member


Giving

Please donate
for a sustainable future!


visit INES global on facebook

Visit us on facebook!


29.11.2011: INES 20th Anniversary

Steigt aus der Kriegsforschung aus!

Interview von Guido Grünewald mit dem US-amerikanischen Whistleblower Subrata Goshroy über Lügen, Tricks und Verquickungen der Rüstungsforschung für Zivilcourage 5-2010

ZivilCourage: Militärische Forschung ist ein Bestandteil des militärisch-industriellen-wissenschaftlichen Komplexes, über den wenig bekannt ist. Wie hat sich die militärische Forschung in den USA entwickelt, welchen Umfang hat sie und wie ist sie strukturiert?

Subrata Goshroy: Es ist richtig, dass selbst gut informierte Menschen wenig über den Umfang der militärischen Forschung wissen. Unter militärischer Forschung verstehe ich im Folgenden die Forschung, die vom US-Militär unterstützt wird. Der Hauptzweck dieser Forschung besteht zwar darin, bessere Technologien für militärische Systeme zu entwickeln, aber das Pentagon finanziert auch Forschung zu Krebs.

In großem Maßstab begann Rüstungsforschung im Zweiten Weltkrieg. Zu dieser Zeit gingen forschungsorientierte Universitäten wie das Massachussets Institute of Technology (MIT) eine enge Verbindung mit dem Militär ein, das große Geldsummen für wissenschaftliche Forschung zur Verfügung hatte. Während des kalten Krieges florierte der Forschungskomplex, da sich die USA darauf konzentrierten, gegenüber der Sowjetunion die technologische Überlegenheit zu erreichen. Das Forschungsbudget des Pentagon namens Research, Development, Test and Evaluation (RDT&E) umfasst verschiedene Kategorien und ist heute auf den enormen Betrag von mehr als 80 Milliarden US-Dollar angewachsen.

Nur zwei Milliarden von diesem Betrag werden dazu verwendet, Grundlagenforschung an Universitäten zu finanzieren. Ca. 12 Milliarden Dollar gehen in angewandte und medizinische Forschung sowie in Technologie-Entwicklung. Der Rest des Geldes - ca. 65 Milliarden - wird hauptsächlich von Rüstungskonzernen wie Boeing, Lockheed oder Raytheon für Waffenentwicklung ausgegeben. Darüber hinaus gibt es federally funded research and development centers (FRRDC). Es handelt sich um Laboratorien, die keinen Gewinn abwerfen müssen und die eher anwendungsorientierte Forschung durchführen, die von einer oder mehreren Teilstreitkräften finanziert wird. Das MIT Lincoln Laboratory beispielsweise wird von der Luftwaffe unterstützt. Es erhält beträchtliche Geldmittel für Forschung zu Raketenabwehrsystemen.

Die universitäre Forschung wird sowohl von den Teilstreitkräften wie auch von der Defense Advanced Research Project Agency (DARPA) gesteuert. Die einzelnen Teilstreitkräfte haben ihre eigenen Forschungslaboratorien und -organisationen. Historisch haben die Marine und die Luftwaffe in großem Umfang Forschungsprojekte durch das Office of Naval Research (ONR) und das Air Force Office of Scientific Research (AFOSR) finanziert. In den letzten 20 Jahren hat die Rolle der von den Teilstreitkräften unterstützten Laboratorien jedoch abgenommen.

Eines der hauptsächlichen Forschungsgebiete ist die Raketenabwehr, für die jährlich fast 10 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Im Schwerpunkt des Pentagon liegen außerdem die Abwehr von Cyberangriffen, Informationssicherheit, Netzwerkverbindungen und vernetzte Sensoren (sensor fusion) einschließlich hyperspektraler und Bio-Sensoren. Angewandte Materialien (Advanced material) und die Nanotechnologie liegen ebenfalls im Fokus. Außerdem gibt es erneut Interesse an so genannten gelenkten Energiewaffen. Das am besten bekannte Projekt ist die luftgestützte Laserwaffe (ABL=Airborne Laser), an der seit 15 Jahren gearbeitet wird.


ZivilCourage: Wie hoch ist der Einfluss der Rüstungsforschung auf die Zivilgesellschaft?

Subrata Goshroy: 80 Milliarden Dollar sind ein gewaltiger Betrag. Der Großteil wird für Waffenentwicklungen ausgegeben, und es gibt viel Verschwendung. Viele Waffensysteme werden nicht benötigt. Der militärisch-industrielle Komplex hat großen Einfluss und sorgt für einen stetigen Geldfluss in die Entwicklung von Waffensystemen, die fiktiven Bedrohungen Einhalt gebieten sollen. Selbst die Geldmittel, die an Universitäten gehen und formell für Grundlagenforschung verwendet werden sollen, werden tatsächlich oft für aktuelle Projekte genutzt.
Kürzlich ist der Bericht eines geheimen, vom Pentagon ernannten Ausschusses mit Namen JASON - niemand weiß, was diese Abkürzung bedeutet - bekannt geworden, der das Verteidigungsministerium für die abnehmende Qualität der Grundlagenforschung kritisiert.

Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Gelder in den Verantwortungsbereich ziviler Wissenschaftseinrichtungen wie der Nationalen Wissenschaftsstiftung, die über einen deutlich strikteren intersubjektiven Überprüfungsprozess verfügt, umgelenkt würde, wären das Ergebnis bessere wissenschaftliche Erkenntnisse und folglich eine Wissensbasis mit breiterer Anwendungsmöglichkeit. Außerdem ist da ein langfristiger Effekt. Das Pentagon finanziert Forschung an Universitäten mit dem Ziel, die nächste Generation herausragender Wissenschaftler auszubilden, die nach ihrem Universitätsabschluss für das Unternehmen „nationale Sicherheit“ zur Verfügung stehen. Es zieht fähige Wissenschaftler und Ingenieure aus der zivilen Forschung ab. Viele MIT-Studenten sind zu Konzernen wie Raytheon, Lockheed, Mitre und SAIC gegangen, die hauptsächlich für das Militär arbeiten.

Dr. John Holden, Wissenschaftsberater von Präsident Obama, sprach vor Kurzem am MIT über die künftige Energieversorgung Amerikas. Die USA geben nur 5 Milliarden Dollar für Energieforschung aus. Er bedauerte, dass die Regierung für Forschung an Hochgeschwindigkeitszügen nicht genug Unterstützung mobilisieren konnte. Abgenommen hat auch die Förderung alternativer Energien einschließlich Photovoltaik, Windenergie und Fusionsforschung.


ZivilCourage: Wie hat sich Opposition gegen Rüstungsforschung entwickelt?

Subrata Goshroy: Am MIT entwickelte sich organisierter Widerstand gegen Rüs- tungsforschung 1969 auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges. Die protestierenden Studenten bezeichneten das MIT als „Pentagon Charles“, weil der MIT-Campus am Ufer des Flusses Charles liegt. Zwei Laboratorien bekannt als das Radar-Lab (heute das Lincoln Lab) und das Instrumentation Lab (inzwischen das Draper Lab) waren die Schwerpunkte der Proteste. Das Instrumentation Lab hat u.a. das Lenksystem für die nuklear bestückte Trident-Rakete entwickelt. Nach heftigen studentischen Protesten wurde das Instrumentation Lab vom MIT abgespalten und nach seinem Gründer Prof. Charles Draper benannt.

Zu diesem Zeitpunkt gab es weitere größere Proteste gegen den Krieg an vielen Universitäten im ganzen Land. Dazu zählten Top-Universitäten wie Berkeley, Columbia, Michigan und Wisconsin. Während sich die Proteste gegen den Vietnamkrieg insgesamt richteten, verlangten die Studenten, dass die Universitäten die Verbindungen zum Pentagon abbrachen.

Eine weitere Protestwelle, die militärische Forschung direkt attackierte, entstand Mitte der 1980er Jahre, nachdem Präsident Ronald Reagan angekündigt hatte, einen Raketenabwehrschirm gegen einen sowjetischen Atomangriff zu entwickeln. Wegen der vorgeschlagenen fantastischen irrealen Technologien (u.a. einem fiktionalen weltraumgestützten Röntgenlaser) wurde der Plan nach dem gleichnamigen Science Fiction-Film spöttisch Star Wars genannt. Studenten und vielfach ganze Fakultäten organisierten Proteste und forderten, es dürfe an Universitäten keine Forschung mit Bezug zu Star Wars geben. Diese Aktionen hatten den Effekt, dass die geheime Militärforschung von den Universitäten abgezogen wurde. Geheime Militärforschung am MIT findet heute beispielsweise am Lincoln Lab statt, das nicht mehr zum Campus gehört. Allerdings gibt es Professoren, die zwischen der Forschung und dem Regierungsapparat hin- und herpendeln und daher eine Zugangserlaubnis haben.

Trotz der Proteste und einigen Abspaltungen wie der erwähnten sind die Universitäten in den USA weiter in hohem Maße bezüglich Forschungsunterstützung vom Pentagon abhängig. Diese Beziehung wird von den Medien und der Öffentlichkeit kaum thematisiert.


ZivilCourage: Wann und wie wurden Sie zum Whistleblower?

Subrata Goshroy: Ich war lange Zeit als Techniker tätig und arbeitete in der zivilen wie militärischen Forschung. In den ersten Jahren war ich an nationalen Laboratorien tätig, die Forschung in Plasmaphysik durchführten, um Fusionsenergie bzw. Teilchenbeschleuniger-Technologie zu entwickeln. Nach dem Amtsantritt von Reagan wurden die Gelder für diese Forschungsbereiche gekürzt. Mitte der 1980er Jahre begann ich, in der Rüstungsforschung zu arbeiten, um Hochenergie-Laser für das Star-Wars-Programm zu entwickeln, das großzügig finanziert war.

Die Projekte, an denen ich beteiligt war, versuchten, Laser zu entwickeln sowohl für Radareinrichtungen wie auch für Waffen, die mutmaßlich aus der Sowjetunion heranfliegende ballistische Raketen zerstören sollten. Für viele von uns wurde bald offensichtlich, dass die Leistungsanforderungen, die an diese Laser gestellt wurden, die Möglichkeiten der in unseren Laboratorien vorhandenen Geräte bei weitem überstiegen. In vielen Fällen waren es grundsätzliche physikalische oder Konstruktionshindernisse, die einer Funktionsfähigkeit der Versuchsgeräte im Weg standen. Es spielte keine Rolle. Die Forschungsarbeit wurde fortgesetzt, als ob derartige Hindernisse entweder nicht existierten oder als ob sie gegen das konträre technische Urteil der Wissenschaftler überwunden werden könnten.

Ich erinnere mich an eine bestimmte Kontroverse. Sie entspann sich um das Gewicht eines Lasers, der als Antwort auf eine Regierungsanforderung für eine Anwendung im Weltraum vorgeschlagen worden war. Das Gewicht war ein wichtiger Faktor in der Konstruktion des Lasers. Bezogen auf ein bestimmtes Gewicht hätte der Laser mit einer Effizienz funktionieren müssen, die viel höher lag als jegliche bisher bei Versuchen demonstrierte Effizienz in irgendeinem Laser. Zusätzlich gab es weitere Konstruktionsparameter, die im Experiment nicht nachgewiesen werden konnten.

Unglücklicherweise schreckten derartige Hindernisse, oft „Show Stopper“ genannt, weder die Manager im Pentagon noch die Rüstungsfirmen, die nach Mitteln und Profit gierten, davon ab, das Projekt auf Kosten gewaltiger Summen der Steuerzahler voranzutreiben. Auf Präsentationsfolien stand einfach, es gebe keine „Show Stopper“!

Ich war wegen dieser Vorfälle sehr verstört und versuchte erfolglos, Vorgesetzte darauf aufmerksam zu machen. Außerdem versuchte ich, mit Leitern des Regierungsprogramms darüber zu sprechen, wiederum ohne Erfolg. Alle saßen sozusagen mit im Boot. Mitte der 1990er Jahre entschloss ich mich schließlich, aus der Rüstungsforschung auszusteigen. Ich arbeitete für den US-Kongress, zunächst im wissenschaftlichen Dienst des Kongresses und anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Streitkräfteausschuss. Danach ging ich als Analyst zum US Government Accountability Office (GAO, Pendant zum Bundesrechnungshof - Anm. d Red). Dort wurde ich zum whistleblower. Bisher bin ich der einzige whistleblower in der 90jährigen Geschichte des GAO.

Anfang 2000 erhielt das GAO eine Anfrage des Kongressabgeordneten Howard Berman aus Kalifornien (heute Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus), bestimmte Betrugsvorwürfe im Raketenabwehrprogramm zu untersuchen. Die Vorwürfe kamen von Dr. Nira Schwartz, einer in Israel geborenen Wissenschaftlerin, die bei TRW Inc. arbeitete, einer Rüstungsfirma mit Sitz in Los Angeles.

Dr. Schwartz behauptete, ein Kernbestandteil des Raketenabwehrsystems - Software für die Verarbeitung von Signalen, die von einem Infrarotsensor eingefangen wurden - funktioniere nicht so wie von TRW und Boeing, dem Hauptauftragnehmer für das Projekt, angegeben. Dr. Schwartz war eng an der Entwicklung der Software beteiligt. Später enthüllte sie Ergebnisse eines Tests, der unter der Regie der missile defense agency durchgeführt worden war. Der Test war 1997 mit Kosten von 100 Millionen Dollar durchgeführt worden, und die Auftragnehmer Boeing und TRW verkündeten in betrügerischer Absicht, er sei erfolgreich gewesen. Dr. Schwartz behauptete, der Test sei ein Fehlschlag gewesen.

Aufgrund meiner technischen Expertise und meiner Kenntnis mit dem Raketenabwehrsystem beauftragte mich das GAO mit der Leitung der Untersuchung. Ein zweiter erfahrener Analyst wurde zum Projektmanager ernannt.

Wir verbrachten fast zwei Jahre mit der Untersuchung der Vorwürfe. Ich befragte in diesem Zeitraum zahlreiche Wissenschaftler der Firmen und im Regierungsdienst, Programmmanager und Test-Evaluierer und verbrachte viele Stunden über geheimen Berichten und Testdaten. Letztlich kam ich zu dem Ergebnis, dass der Test fehlgeschlagen war, wie Dr. Schwartz behauptet hatte. Allerdings war der Fehlschlag meiner Einschätzung nach direkt auf ein Versagen des Infrarotsensors zurückzuführen. Wegen eines Fehlers im Kühlsystem erreichte der Sensor nicht seine Betriebstemperatur, die nahe am absoluten Nullpunkt (- 273 Grad Kelvin) liegt. Daher war er nicht in der Lage, brauchbare Signale der anfliegenden Rakete und der begleitenden Störkörper aufzufangen. Dr. Schwartz hatte vielleicht Recht mit ihrer Behauptung, die Software habe nicht funktioniert, aber wir konnten das nicht verifizieren, da es keine brauchbaren Daten gab. Das Ergebnis war jedoch dasselbe. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Konzerne und der aufsichtführenden Pentagonmanager war der Test nach allen Maßstäben ein kompletter Fehlschlag.

Unter dem Druck des Pentagon wollte das GAO dem Kongressabgeordneten Berman die Tatsachen nicht mitteilen. Stattdessen veröffentlichte das Büro im Februar 2002 einen Bericht, der die Rüs- tungsfirmen im Grunde von allen Verfehlungen freisprach. Vier Jahre lang kämpfte ich dafür, dass das GAO seinen Bericht zurückzog und ihn durch einen korrekteren ersetzte. Als das erfolglos bleib, schrieb ich einen 42seitigen Brief an den Kongressabgeordneten Berman, in dem ich die Vertuschung beim GAO detailliert beschrieb und den Kongress zum Handeln aufforderte. Die New York Times berichte am 2. April 2006 darüber. (Der Bericht ist abrufbar auf ²http://www.house. gov/berman/newsroom/Ghosroy_Final _Letter.pdf²)

Leider zog der Kongress keine Konsequenzen. Meine Position beim GAO wurde ziemlich ungemütlich, so dass ich kündigte und zu meiner jetzigen Stellung am MIT wechselte. Dort forsche ich u.a. zum militärisch-industriellen Komplex und beleuchte vor allem die Beziehung zwischen Wissenschaftlern und dem Pentagon.


ZivilCourage: Wie kann der Widerstand gegen militärische Forschung effizienter werden? Gibt es in diesem Bereich eine internationale Zusammenarbeit?

Subrata Goshroy: Das ist eine große Herausforderung. Trotz des Zusammenbruchs der Sowjetunion sind die weltweiten Rüstungsausgaben gestiegen, angetrieben von den USA, die heute fast 700 Milliarden Dollar im Jahr für Rüstung ausgeben, genau so viel wie der Rest der Welt zusammen. Nach den Ereignissen des 11. September sind die Rüstungsausgaben in den USA dramatisch angewachsen, und es gab wenig politischen Raum, dies in Frage zu stellen.
Allerdings erleben wir heute eine nie dagewesene Wirtschaftskrise, die das Weltwirtschaftssystem in den Grundfesten erschüttert. In den USA hat nur massive Unterstützung der Regierung ein korruptes Bankensystem vor einem totalen Zusammenbruch bewahrt auf Kosten enormer öffentlicher Mittel. In Europa stellt die Krise die Existenz des Sozialstaats in Frage. Unter dem Druck internationaler Finanzinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfonds werden Regierungen in Europa zu Sparmaßnahmen gezwungen und müssen scharfe Einschnitte ins soziale Netz vornehmen, die die kleinen Leute hart treffen. In Spanien, Italien, Portugal und Frankreich protestieren die Menschen gegen derartige Einschnitte.
Unmoralische und illegale Invasionen im Irak und in Afghanistan haben große Zerstörungen in diesen Ländern verursacht und Hunderttausende Menschen das Leben gekostet. Die Kosten für diese beiden Kriege haben inzwischen 1 Billion Dollar überschritten, und auch in den USA wächst nun der Widerstand, der in Europa bereits stark war.

Es kommen daher einige Faktoren zusammen: eine massive Wirtschafts- und Finanzkrise, eskalierende Kriegskosten und zunehmende Verluste an Menschenleben, ein großes Misstrauen gegenüber Politikern und Institutionen sowie eine zunehmende Desillusionierung gegenüber dem so genannten Krieg gegen den Terror. Erstmals gibt es selbst auf Regierungsebene Zweifel, ob das hohe Niveau der Rüstungsausgaben beibehalten werden kann. Verteidigungsminister Robert Gates hat kürzlich mehrmals davon gesprochen, unnötige militärische Programme einzustellen und den Rüstungshaushalt in bescheidenem Umfang zu kürzen.

Derartige Bemerkungen waren bis vor kurzem undenkbar. Auch in Großbritannien wird offen über Einschnitte in den Rüstungshaushalt gesprochen.
Eine nicht offizielle Befragung in den USA, die vor wenigen Tagen von der New York Times veröffentlicht wurde, zeigt, dass 71 Prozent der Befragten Kürzungen bei den Ausgaben für Atomwaffen und für Weltraumwaffen befürworten. Weitere 79 Prozent unterstützen eine Reduzierung des US-Militärhaushalts. Daher ist jetzt die Zeit zum Handeln gekommen.

Das Internationale Friedensbüro hat eine globale Kampagne „Abrüstung für Entwicklung“ ins Leben gerufen. Das Internationale Netzwerk Techniker und Wissenschaftler für globale Verantwortung (INES) steht am Beginn einer Kampagne, in der eine „Zivilklausel“ in allen Universitätssatzungen gefordert wird, die Forschung für militärische Zwecke verbietet. An einigen Universitäten in Deutschland gibt es bereits eine derartige Klausel. In Großbritannien haben Professoren die Regierung aufgerufen, das Budget für Rüstungsforschung zugunsten ziviler Forschung zu kürzen. All das bietet die Möglichkeit, die öffentliche Meinung zu mobilisieren, um eine ernsthafte Überprüfung der nationalen Prioritäten zu fordern und einen großen Schritt weg von der Kriegswirtschaft zu machen.